Andalusien Mitte

EHWS Andalusien, Teil II: Ronda - Arenas del Rey (2017)

Den zweiten Teil der Andalusien-Wanderung unternahm ich in der Zeit vom 4. bis 15. Oktober 2017, praktisch  ein Jahr nach dem ersten Teil. Ausgehend von Ronda im Westen der Provinz Málaga erreichte ich nach elf Tagesetappen und rund 226 Kilometern das Örtchen Arenas del Rey in der Provinz Granada. Wie schon im ersten Teil folgte ich dabei dem Fernwanderweg E4 / GR7; dort, wo dieser sich in eine nördliche und eine südliche Variante verzweigt, wählte ich die südliche, weil sie näher an der Hauptwasserscheide vorbei führt.

 

Kontakt mit der Letzteren hatte ich freilich erst gegen Schluss dieses Wanderabschnitts, indem ich sie am zweitletzten Tag von der Mittelmeer- zur Atlantik-Seite hin überquerte.


Andalusien Mitte
Abschnitt EHWS Andalusien, Teil II
  (Fernwanderprojekt EHWS)
Länge / Dauer 226 km / 11 Tage
Durchgeführt 4. - 15. Oktober 2017
Höchster Punkt 1'140 m: Loma Montero
Tiefster Punkt 183 m: El Chorro
Start Ronda
Ende Arenas del Rey
Fernwanderwege E4 (GR7)
Weitere Facts & Figures
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Getrennte Wege: EHWS und Wanderroute

Ganz zu Beginn befand die EHWS sich noch sozusagen in Sichtweite von mir: Die sich westlich von Ronda hinziehenden Hügelkämme grenzen das Einzugsgebiet des Mittelmeerflusses Guadiaro gegen jenes des atlantikorientierten Guadalete ab.Ansonsten verläuft die Route aber grösstenteils in beträchtlicher Distanz zur EHWS auf der Seite des Mittelmeers. Denn während der Wanderweg dem Hauptkamm der Penibetischen Kordillere mehr oder weniger parallel zur Costa del Sol nach Osten folgt, holt die EHWS in einem beträchtlichen Bogen nach Norden aus, um erst in der Provinz Granada zur Kordillere zurück zu finden.

Das erstaunte mich zunächst, könnte man doch erwarten, dass der höchste Gebirgszug der Gegend nicht nur die Küstenregion gegen Norden abgrenzt, sondern auch die Gewässer entsprechend scheidet. Dass dem nicht so ist, hat  – wie ich beim Recherchieren bald erkannte – mit dem Guadalhorce zu tun: Dieser mündet zwar bei Málaga ins Mittelmeer, entspringt jedoch auf der Nordseite der Kordillere. Dort nimmt er auch etliche Fliessgewässer aus dem Umland auf, bevor er sich nach Süden wendet und die Kordillere in einer spektakulären Schlucht durchbricht. Dadurch wird die Trennlinie zu den via Guadalquivir in den Atlantik entwässernden Nachbarflüssen –  Río Corbones im Westen und Río Genil im Norden und Osten – gewissermassen von der Kordillere abgedrängt; sie verläuft deshalb über niedrigere Höhenzüge und teils eher unscheinbare Geländewölbungen durch die vorgelagerten Ebenen.

Der Kordillere entlang

Der Fernwanderweg E4 / GR7 schneidet diesen Bogen ab, indem er sich, wie oben erwähnt, weitgehend an die Kordillere hält. Letztere erreicht in diesem Abschnitt Höhen bis zu rund 2000 Meter; im ersten Teil der Serranía de Ronda zugerechnet, wird sie später als Cordillera Antiquerana bezeichnet und geht schliesslich in die Massive der Sierra de Tejeda und Sierra de Almijara über. Der Wanderweg führt jedoch nicht über die Kreten, sondern den Flanken des Gebirgszugs entlang.


Von einzelnen Ausnahmen abgesehen, bewegte ich mich stets in Höhenlagen zwischen rund 600 und 1100 Metern; der tiefste Punkt lag allerdings auf nur 183 Meter (bei El Chorro – dort, wo der Guadalhorce die Kordillere durchbricht), den höchsten erreichte ich mit 1140 Metern auf einem vorgelagerten Plateau. Unendliche Fernsichten unter meist strahlend blauem Himmel prägten das Wandererlebnis; mal schweifte der Blick nach Norden über die Ebenen der Vega de Antequera oder der Poniente Granadino, meistens jedoch in südlicher Richtung über das hügelige bis gebirgige Hinterland der Costa del Sol bis hin zum Mittelmeer.

Oliven statt Schweine

Olivenhaine vor Antequera.
Olivenhaine vor Antequera.

Wie ich es bereits vom vergangenen Herbst her kannte, prägten die Farben Gelb, Braun und Rot das Landschaftsbild; hinzu kam das Grün von Olivenbäumen, seltener jenes von Pinien oder Wald. Wildnis begegnete mir hauptsächlich in Gestalt von karstigen Felslandschaften oder uralten Olivenbäumen. Ansonsten wird die Natur in diesem Abschnitt stark landwirtschaftlich genutzt. Nebst ausgedehnten Olivenhainen dominieren Mandel- und Obstkulturen sowie Getreidefelder, wobei ich letztere der Jahreszeit entsprechend meistens abgeerntet antraf. Während etwa eines halben Tages wanderte ich zudem durch intensiven Gemüseanbau. Weniger verbreitet ist hier Vieh- und Milchwirtschaft; im Unterschied zur letztjährigen Wanderung begegnete ich keinem einzigen Ibérico-Schwein!

Unherbstliche Hitze

Das meist hervorragende Wetter, das mich begleitete – im Gegensatz zum Vorjahr blieb mir Regen vollkommen erspart – , hatte eine weniger angenehme Kehrseite: Die Temperaturen waren vor allem in den ersten Tagen sehr hoch – für die Jahreszeit auch nach andalusischen Massstäben zu hoch. An den Nachmittagen stiegen die Werte nicht selten auf weit über 30 Grad. Auch wenn sie im Unterschied zum Sommer abends deutlich zurückgingen und nach Sonnenaufgang noch eine Weile moderat blieben: Die Hitze bildete für mich in Kombination mit zu schwerem Gepäck das Hauptproblem auf diesem Wanderabschnitt. Sie hätte mich –  auch angesichts des weitgehenden Fehlens von Wald oder andern schattenspendenden Elementen – fast zum vorzeitigen Abbruch veranlasst. Glücklicherweise gab es in höheren Lagen oft zügige Winde – es war wohl der vom Mittelmeer her wehende Levante – , die etwas Kühlung verschafften, und gegen Ende schützte zuweilen auch eine gewisse Bewölkung vor zuviel Sonne.

Zuviel Asphalt, ungenügende Markierung

Gegangen bin ich hauptsächlich auf Kies- und Schotterwegen; Gras- oder Waldpfade traf ich leider nur selten an. Dem Wandervergnügen abträglich waren die vielen und manchmal langen, wenn auch eher verkehrsarmen  Asphaltstrecken; eine davon dauerte fast einen ganzen Tag. Zudem ist der Fernwanderweg zum Teil spärlich, um nicht zu sagen lausig markiert, was zu viel Suchen, Kartenstudium und Stromverbrauch beim Smartphone zwingt. Alle diese Kritikpunkte zusammen wiegen jedoch nichts im Verhältnis zu den grossartigen Landschaftseindrücken und anderen Erlebnissen, die mir von dieser Wanderung bleiben.

Etappierung

Unten siehst du, wie ich die Strecke in Etappen unterteilt habe.

Etappe 12 (4. Oktober 2017) Ronda - Arriate
12,3 km / 4h40'
Etappe 13 (5. Oktober 2017) Arriate - Cuevas del Becerro
21,7 km / 6h15'
Etappe 14 (6. Oktober 2017) Cuevas del Becerro - Ardales
18,7 km / 5h35'
Etappe 15 (7. Oktober 2017) Ardales - El Chorro
15,2 km / 5h25'
Etappe 16 (8. Oktober 2017) El Chorro - Valle de Abdalajís 14 km / 5h10'
Etappe 17 (9. Oktober 2017) Valle de Abdalajís - Antequera 19,8 km / 6h55'
Etappe 18 (11. Oktober 2017) Antequera - Villanueva de Cauche 18,7 km / 4h25'
Etappe 19 (12. Oktober 2017) Las Pedrizas - Riogordo
24,8 km / 5h40'
Etappe 20 ( 13. Oktober 2017) Riogordo - Zafarraya
29,7 km / 8h20'
Etappe 21 ( 14. Oktober 2017) Zafarraya - Alhama de Granada
28,2 km / 7h30'
Etappe 22 ( 15. Oktober 2017) El Ventorro - Arenas del Rey
22,9 km / 5h45'

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Tagesberichte

Wie es mir beim Wandern ergangen ist, kannst du in meinem Blog nachlesen. Unten gehts direkt zu den entsprechenden Tagesberichten.


Verschlungene Wege

EHWS Andalusien, Etappe 12: Ronda - Arriate

Südeingang zum Tajo von Ronda, unter dem Puente Nuevo.
Südeingang zum Tajo von Ronda, unter dem Puente Nuevo.

Rund elf Monate nach Beendigung meiner ersten Andalusien-Wanderung kehrte ich nach Ronda zurück. Das Begonnene fortzusetzen war mein Ziel, aber zuerst wollte ich Versäumtes nachholen. So beschrieb mein Weg zunächst eine Schlaufe nach Süden, bevor ich die Fährte des GR7 wieder aufnahm: Ich stieg zur Schlucht (dem «Tajo») unter dem imposanten Puente Nuevo hinunter und umging die Stadt dem Fuss des Felsplateaus entlang, auf dem sie thront.

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Immer geradeaus ins Weite

EHWS Andalusien, Etappe 13: Arriate - Cuevas del Becerro (Cortijo Nuevo)

Cañada Real beim Puerto del Saltillo.
Cañada Real beim Puerto del Saltillo.

Heute Morgen konnte ich mich nicht lange vor der Sonne verbergen; dafür wurde die Hitze immer wieder durch auffrischende Winde gemildert. Anders als gestern war auch, dass es fast immer geradeaus ging: zwischen langgezogenen felsigen Bergrücken hindurch, bis der Blick sich weitete und die Ebenen nördlich der Kordillere  sichtbar wurden.

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Nur wer sich duckt, findet Schatten

EHWS Andalusien, Etappe 14: Cuevas del Becerro (Cortijo Nuevo) - Ardales

Auf dem Weg nach Ardales.
Auf dem Weg nach Ardales.

Eigentlich wollte ich mit der ersten Morgendämmerung aufbrechen. Möglichst weit kommen vor der grossen Nachmittagshitze, war auch heute mein Vorhaben denn meine Wetter-App kündete erneut Temperaturen über 30 Grad an. Weil ich aber meine Unterkunft erst gegen halb Zehn bezahlen konnte, blieb es beim Vorhaben. Und dafür sollte ich den ganzen Tag lang «bezahlen»: Von allem Anfang an hatte ich die Sonne frontal im Gesicht, und schon bald prall über mir.

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Quer zu Flug und Fluss

EHWS Andalusien, Etappe 15: Ardales - El Chorro

Sierra Blanquilla.
Sierra Blanquilla.

Diese Wanderung war von einem ganz andern Charakter als die vorangegangenen: Der Tag begann mit Wolken, die sich um die Berggipfel legten, und der Weg führte in wechselndem Auf und Ab durch eine licht bewaldete Hügellandschaft. Immer näher rückten dabei die mächtigen Felswände und -kanten des Massivs um die Gaitanes-Schlucht und die  Sierra de Huma. Während sich  Touristenmassen auf dem Königspfad durch die Schlucht zwängen, gehe ich abseits und quer zu dieser.

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Weg verloren, Freunde gefunden

EHWS Andalusien, Etappe 16: El Chorro - Valle de Abdalajís

Sierra de Huma.
Sierra de Huma.

Es wäre wohl nicht nur eine schöne, sondern auch eine kurze Wanderung: Aus der Tiefe der Schlucht von El Chorro über einen Bergsattel ins Tal von Abdalajís hinuter. Für mich wurde sie sogar noch schöner, aber auch deutlich länger: Weil ich eine Wegmarkierung verwechselte, gelangte ich immer höher hinauf und tiefer in die Bergwelt hinein. Dank einer denkwürdigen Begegnung mit einer Wandergruppe fand ich aber auf den rechten Weg zurück.

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Schweiss und Kopfzerbrechen

EHWS Andalusien, Etappe 17: Valle de Abdalajís - Antequera

Vega de Antequera.
Vega de Antequera.

Wieder ein Tag, an dem der Umgang mit der Hitze die grösste Herausforderung war. Aber auch Orientierungsschwierigkeiten veranlassten mich des öftern zu Pausen: Weil Markierungen über weite Strecken fehlten, musste ich immer wieder Landschaft und Karten studieren, in der Hoffnung auf Übereinstimmungen.

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Kurz und prächtig

EHWS Andalusien, Etappe 18: Antequera - Villanueva de Cauche (Pedrizas)

El Torcal von Osten gesehen.
El Torcal von Osten gesehen.

Nach einem Ruhetag in Antequera zog ich voll neuer Wanderlust wieder los. Die Etappe war kurz: Meine Unterkunft erreichte ich schon am frühen Nachmittag. Auf dem Weg dorthin genoss ich spektakuläre Blicke auf das Karstmassiv von El Torcal und einen schönen Panoramaweg entlang der Südflanke des Kordilleren-Hauptkamms mit prächtigen Fernsichten, die bis zum Mittelmeer reichten.

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Wanderer als Verkehrsteilnehmer

EHWS Andalusien, Etappe 19: Las Pedrizas - Riogordo

Ob Riogordo. Mit Tajo de Gomer und Doña Ana.
Ob Riogordo. Mit Tajo de Gomer und Doña Ana.

Mit weiten Panoramasichten über das hügelige Hinterland von Málaga Richtung Mittelmeer ging es den ganzen heutigen Tag weiter. Das Wandern als Fortbewegungsart war freilich weniger angenehm: Fast die ganze Strecke verlief auf Asphaltstrassen, und man war Teil eines zwar nicht dichten, aber doch immer präsenten Verkehrs.

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Bresche zu einer anderen Welt

EHWS Andalusien, Etappe 20: Riogordo - Zafarraya

Ob Guraro, Blick nach Osten.
Ob Guraro, Blick nach Osten.

Auf gings zur längsten Tagesetappe der diesjährigen heissen Andalusien-Wanderung. Ich zog denn auch schon im Dunkel los. Und als es hell wurde, dankte ich dem Himmel dafür, dass er sich und die Sonne ein wenig bedeckt hielt. Trotzdem boten sich mir auch heute wieder weite, prächtige Panoramen von der Südflanke einer Bergkette hinunter. Bis ich gegen Abend durch einen Tunnel und einen engen Schlitz auf deren Nordseite gelangte – und damit in eine völlig andere, scheinbar in sich geschlossene Welt.

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Vier Duftzonen und zwei Schluchten

EHWS Andalusien, Etappe 21: Zafarraya - Alhama de Granada

Tajo de Alhama.
Tajo de Alhama.

Diese Wanderung bestand aus zwei sehr unterschiedlichen Hälften: Die erste führte durch eine intensiv durch Gemüseanbau bewirtschaftete Ebene, die zweite durch ein langes Tal, das sich zuletzt zweimal zu einer Schlucht verengte. Einteilen könnte man die Strecke aber auch nach olfaktorischen Merkmalen; es ergäben sich dann vier Abschnitte: Zunächst duftete es hauptsächlich nach Kohl, später nach Tomaten, dann nach herbstlich dürrem Pappellaub und schliesslich nach Pinien.

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Wo bleibt bloss das Hundegebell?

EHWS Andalusien, Etappe 22: Alhama de Granada (El Ventorro) - Arenas del Rey

Sierra de Tejeda y Almijara.
Sierra de Tejeda y Almijara.

Noch einmal zeigt sich der Himmel sonnestrahlend und wolkenlos. Durch ein Tälchen mit vielen Pappeln gelangt man auf eine Hochebene voller Oliven- und Mandelplantagen hinauf und von dort zum grossen Stausee von Bermejales hinunter. Zur Rechten säumen gezackte Bergzüge den Horizont, ganz vorne taucht erstmals die Sierra Nevada im Dunst auf. Die Plantagen sind gross und die Höfe liegen weit auseinander – Stille liegt über dem Land. Nicht einmal Hundegebell ist zu hören.

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