Frankreich

Frankreich · 03. Juni 2022
Nicht wirklich angenehm
Bis zum Col de Coustel wanderte es sich gemütlich, danach übernahm die Energieindustrie das Diktat. Ein Windpark war am Entstehen, der Wanderweg kilometerlang zu einer Baustellenstrasse mutiert. Lastwagen sorgten für Lärm und Staub. Ob ich das angenehm finde, fragte ein Radfahrer rhetorisch. Zwei Frauen, die mir später mit Eseln entgegenkamen, beantworteten meine Vorwarnung mit Schulterzucken. Auch den gelenk- und muskelschindenden Steilabstieg am Schluss möchte man sich eigentlich nicht antun.
Frankreich · 02. Juni 2022
Ein gelber Faden von Start bis Ziel
Am See von Vézoles vollführten Nebelschwaden und sich darin brechendes Morgenlicht ein mystisches Spiel. An den bewaldeten Kämmen und grauen Felshängen von Fontfroide verdichtete sich der Nebel und trübte die Stimmung ein. Friedlich schlummerte das offene Heideplateau von Espinouse unter der Nachmittagssonne. Landschaft und Stimmungen änderten sich, doch Ginster blühte überall – ein gelber Faden, der alles verband. Bis hin zum Ziel, das ihn – Botaniker nennen ihn «Genista» – sogar im Namen trug.
Frankreich · 01. Juni 2022
Geduld bringt Ginster
Diese Etappe bewahrt seine Highlights für den Schluss auf. Stundenlang ist man von Wald verschluckt. Endlos lange, meist flache Geraden fordern Geduld. Umso überraschter tritt man nachmittags auf ein sanft eingemuldetes Plateau mit Heide und Ginster hinaus. Der Atem stockt, wenn man plötzlich über eine spektakuläre Felswand hinunterblickt. Und wenn hinter einer Rippe das idyllische Seelein auftaucht, um das herum der Ginster kräftig gelb in der Abendsonne leuchtet, fühlt man sich belohnt.
Frankreich · 31. Mai 2022
Wegweiser für einen ganzen Tag
Über den Höhepunkt des heutigen Tages gab es keinerlei Zweifel: Schon am Morgen ragte er vor mir auf, und mit der rot-weiss gestreiften Antennennadel, die er in den Himmel streckte, blieb er bis zum Abend ein immer wieder sichtbares Orientierungszeichen: Der Pic de Nore, höchste Erhebung der Montagne Noire. Unbestritten war auch der Weg: Auf dem GR36 gings auf den Pic, dahinter fand der GR7 mich wieder. Mit ihm verliess ich die Wasserscheide erst gegen Ende, um ins Tal des Thoré abzusteigen.
Frankreich · 30. Mai 2022
Wo Wasserscheide, da Windkraft. So Wind will.
Zwischen Fontbruno und Pic de Nore gibt es etliche Wanderwege, doch keiner folgt der Wasserscheide. So suchte ich mir selber einen. Allzu schwer war es nicht: Denn auf den Höhen, die sich zwischen den Tälern von Arnette und Orbiel dahinziehen, reiht sich Windpark an Windpark. Die Turbinen überragten die Baumwipfel und waren weithin sichtbar. Der Wind freilich scherte sich heute nicht um sie. Er blies wohl anderswo – zum Beispiel in den Pyrenäen, die verschleiert am fernen Horizont standen.
Frankreich · 16. April 2022
Sundgauer R(h)apsodie
Nein, eintönig oder eindeutig flach war diese Frühlingswanderung durch den Sundgau nicht. Da senkte sich das Land mal zu einer Talmulde ab, schon schritt man wieder auf einem platten Rücken dahin. Schmucke Fachwerk-Dörfer grüssten teils mit französischen, teils mit deutschen Namen oder beidem. Zwischen dunkle Wälder drängten offene Flächen, auf denen sich hellgelb blühende Rapsfelder ausdehnten. Über ihnen Wolkenfelder, die eine forsche Bise mal zusammen-, mal auseinandertrieb.
Frankreich · 15. April 2022
Die Pförtner sind ausgeflogen
Vor dem Betreten der Ebene stieg ich nochmals in die Höhe: zu Burgen hinauf, die einst über sie wachten. So, als holte ich mir dort einen Passierschein ab. Dabei sind nur Ruinen übrig und die Wächter längst Geschichte. Aber noch immer fällt von dort die Wasserscheide zu dem Plateau hinab, das im Deutschen «Burgundische Pforte» genannt wird. Ihr entlang schritt ich – sozusagen auf der Türschwelle – auf langen Geraden durch Feld und Wald ins Weite hinaus.
Frankreich · 08. September 2021
Nichts sehen und nicht gesehen werden
Die Wanderung zum Pass von Font Bruno bot sportlichen Genuss ohne Leiden, war für das Auge aber langweilig. Denn ausser einem Mittelstück über sporadisch besonntes Weideland fand sie unter einer grauen Wolkendecke statt und führte ausschliesslich durch Wald. Der bot zwar Schutz vor den kräftigen Windstössen, verhinderte gleichzeitig aber jegliche Sicht. Den Freischärlern der Résistance, an die an der Passstrasse ein Ehrenmal erinnert, dürfte freilich ebendies gerade recht gewesen sein.
Frankreich · 07. September 2021
Endlos windet sich der Vormittagskanal
Drei auf zwei verschiedenen Höhenstufen angesiedelte Stauseen – dies die Stationen der ersten Etappe in der Montagne Noire. Die beiden Stufen sind von der Lauragais-Ebene aus in weniger als drei Stunden erstiegen. Länger dauert es danach bis zu dem unmerklich höher gelegenen dritte See: Nahezu flach geht man neben einem in endlosen Windungen durch den Wald glucksenden Kanälchen her. Es ist sozusagen ein «Vormittagskanälchen»: Es gehört zum Versorgungssystem des Canal du Midi.
Frankreich · 12. Oktober 2019
Manche Grenzen sind vergänglicher als andere
Die letzte Vogesenetappe verlief über weite Strecken exakt auf der EHWS. Sie begann auf dem Berg als Kammwanderung, führte über Hochweiden und später durch Wald und endete mit dem Abstieg ins Flachland der Burgundischen Pforte. Historische Grenzsteine am Wegrand erinnern an eine Epoche, in der sich hier nicht nur Gewässer, sondern auch Länder geschieden haben. Ich zog bei Sonnenschein los; aber es ging ein giftig kühler Wind, und nachmittags wurde die Stimmung immer herbstlicher.

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