Alpujarra West

EHWS Andalusien, Teil III: Arenas del Rey - Trevélez (2018)

Der Abschnitt der GR7-Wanderung, den ich 2018 zurückgelegt habe, liegt vollständig in der Provinz Granada. Ausgehend vom Süden des Poniente Granadino, durchquert er das fruchtbare Talbecken des Valle Lecrín und dringt in die westliche Alpujarra ein, eine gebirgige Gegend an der Südflanke der Sierra Nevada. Neben üppigem Agrarland mit zum Teil ausgedehnten Obst- und Gemüsekulturen bietet er schöne und stille Natur- und Berglandschaften mit pittoresken weissen Dörfern und meistens guten, wanderfreundlichen Wegen. Die Alpujarra-Region ist zudem dank ihrer hohen touristischen Attraktivität mit Busverbindungen erschlossen und wartet mit einem ansprechenden Angebot an Unterkünften auf. Ihr überwiegend grünes Antlitz verdankt die Landschaft ihrer insgesamt erhöhten Lage – abgesehen vom Talbecken von Lecrín bewegt man sich nahezu immer auf über 900, im letzten Teil auf über 1100 Meter – und der damit verbundenen grösseren Niederschlagshäufigkeit.


Alpujarra West
Abschnitt EHWS Andalusien, Teil III
  (Fernwanderprojekt EHWS)
Länge / Dauer 136 km / 8 Tage
Durchgeführt 10. - 17. Oktober 2018
Höchster Punkt 1'739 m: ob Trevélez
Tiefster Punkt 500 m: Restábal, Río Ízbor
Start Arenas del Rey
Ende Trevélez
Fernwanderwege E4 (GR7)
Weitere Facts & Figures
Vorige Teilstrecke Variante: Sierra Nevada
  Nächste Teilstrecke


Die 136 Kilometer lange Strecke von Arenas del Rey nach Trevélez habe ich in acht Tagen erwandert. Sie war somit kürzer als die Abschnitte der beiden Vorjahre und auch kürzer als geplant: Denn witterungsbedingt habe ich die Wanderung vorzeitig abgebrochen. Die An- und Rückreise unternahm ich per Flug via Madrid nach und von Granada; dort nahm ich ein Taxi zum Startort Arenas del Rey und kehrte vom Endpunkt Trevélez aus per Bus zurück.

Start auf Atlantik-, dann mehrheitlich auf Mittelmeerseite

Der Startpunkt Arenas del Rey – Endpunkt meines letztjährigen Abschnitts – liegt im Einzugsgebiet des Guadalquivir-Zuflusses Genil und damit auf der Atlantik-Seite der Kontinentalwasserscheide; der grösste Teil der Strecke verläuft jedoch auf deren Mittelmeerseite, im Einzugsgebiet des Río Guadalfeo und seiner Zuflüsse. Unterwegs wird die EHWS ein einziges Mal überquert, nämlich auf dem Hügelrücken der Sierra de Chaparral.

Am Horizont zur Rechten: Sierra de Almijara.
Am Horizont zur Rechten: Sierra de Almijara.

In ihrem grenadinischen Abschnitt werden die Penibetischen Kordilleren zunächst von dem mehr oder weniger parallel zur Mittelmeerküste in West-Ost-Richtung verlaufenden Gebirgszug der Sierras Tejeda und Almijara und der weniger hohen Sierra de los Guájares dominiert. Dieser wird durch einen vom Valle Lecrín und dem Río Guadalfeo gebildeten Nord-Süd-Einschnitt unterbrochen, der seit je die direkteste Verkehrsverbindung zwischen Granada und der Costa Tropical (dem zur Provinz Granada gehörenden Abschnitt der Mittelmeerküste) ermöglicht.

Vorne rückte die Sierra Nevada immer näher.
Vorne rückte die Sierra Nevada immer näher.

Östlich davon setzen sich die Kordilleren als mehrkettiges Gebirgssystem parallel zur Küste fort: In der Verlängerung der Almijara-Guájares-Linie schliessen sich die Sierra de Lújar und die Sierra Contraviesa an; weiter im Landesinnern und somit weiter nördlich erhebt sich mit der Sierra Nevada das höchste Massiv der Betischen Kordilleren überhaupt. Zwischen diesen beiden Gebirgszügen liegen die zum Teil tief eingefurchten und schwer zugänglichen Täler der Alpujarra (zuweilen wird für sie auch die Pluralform «Alpujarras» verwendet), die via Guadalfeo zur Costa Tropical hin entwässern.

Schwelle (EHWS) zwischen Valle Lecrín und Granada. Hinter dem letzten Dorf (rechts) der Puerto del Suspiro del Moro.
Schwelle (EHWS) zwischen Valle Lecrín und Granada. Hinter dem letzten Dorf (rechts) der Puerto del Suspiro del Moro.

Die Kontinentalwasserscheide EHWS verläuft über die Kreten der Sierras de Tejeda und Almijara und erreicht auf dem 1834 m hohen Navachica ihren südlichsten Punkt (in Luftlinie trennen sie dort nur noch rund 20 km vom Meer). Dann aber macht sie einen scharfen Knicks nach Norden, um in einem weiten Bogen über die niedrigeren Hügelzonen der Sierra de Chaparral und der Sierra de Albuñuelas das Becken des Valle Lecrín zu umgehen. Über die Geländeschwelle, die letzteres vom nördlich anschliessenden Becken von Granada trennt, schwingt sie sich zur Sierra Nevada empor. Den tiefsten Punkt passiert sie auf etwa 800 Meter beim Pass «Puerto del Suspiro del Moro» («Seufzer des Mauren»), wo der geschlagene letzte König von Granada beim endgültigen Verlassen seiner Heimat ein letztes Mal seufzend auf das Alhambra und seine übrigen Paläste zurückgeblickt haben soll. (Einer Legende zufolge soll seine Mutter da zu ihm gesagt haben: «Jetzt weinst du wie ein Weib um das, was du als Mann nicht hast verteidigen können!») In der Sierra Nevada setzt sich die Wasserscheide über deren Hauptkamm mit mehreren über 3000 Meter hohen Gipfeln nach Osten hin fort; mit dem 3484 m hohen Mulhacén erreicht sie dort ihren höchsten Punkt ausserhalb der Alpen.

Zwischen Gebirgszügen

In der Ferne schimmert das  Meer. Blick von Cáñar durch den Guadalfeo-Einschnitt nach Süden.
In der Ferne schimmert das Meer. Blick von Cáñar durch den Guadalfeo-Einschnitt nach Süden.

Der E4 / GR7 ignoriert diese gewinkelte Linie der EHWS und vollzieht zunächst nördlich und dann südlich davon seine eigenen Schlaufen. In den ersten Tagen bildet die Sierra de Almijara die Kulisse zur Rechten, während die Sierra Nevada am vorderen Horizont näher rückt. Nach Überqueren der EHWS auf der Sierra de Chaparral taucht er in das Valle Lecrín hinab, überquert auf etwa 500 Meter Höhe den Guadalfeo-Zufluss Río Ízbor und steigt auf der Gegenseite zum Westhang der Sierra Nevada empor. Diesen umrundet er südwärts und biegt bei Lanjarón wieder nach Osten in die Alpujarra ein. An klaren Tagen bieten sich in diesem Bereich Weitblicke durch den Guadalfeo-Einschnitt hindurch Richtung Mittelmeer und manchmal sogar bis nach Afrika. Weiter ostwärts verbindet der Weg mehrere hoch über dem Guadalfeo-Tal an den steilen Südhängen der Sierra Nevada klebende weisse Bergdörfer; hier wird der Horizont zu beiden Seiten durch Bergkämme begrenzt: zur Linken durch die Sierra Nevada und zur Rechten durch die Sierra de Lújar.

Alternativen zum GR7

Pampaneira und Bubión. Ganz hinten der Gipfel des Mulhacén.
Pampaneira und Bubión. Ganz hinten der Gipfel des Mulhacén.

Es gibt auch eine Alternative zum E4 / GR7, die näher an und teilweise sogar auf der EHWS verläuft: Diese «Integral de los 3000» genannte Route startet am Westhang bei Nigüelas – den Ort habe ich am vierten Wandertag passiert – und führt direkt auf den Hauptkamm der Sierra Nevada hinauf, um diesem nach Osten über etliche seiner Dreitausender zu folgen. Sie bietet jedoch weder Verpflegungs- noch bewartete Übernachtungsmöglichkeiten, sodass man Nahrungsmittel und Wasser für mehrere Tage und wohl auch ein Zelt mitführen muss. Das ist nicht nach meinem Geschmack, weshalb ich diese Variante nicht in Betracht zog. Allerdings liebäugelte ich im Vorfeld und auch noch an den ersten Wandertagen mit der Idee, wenigstens einen Abstecher zum Sierra-Nevada-Kamm hinauf zu unternehmen: nämlich den E4 / GR7 bei Bubión zu verlassen und über eine der wenigen bewarteten Berghütten, das «Refugio Poqueira», zum Mulhacén hinauf- und von dort nach Trevélez hinunterzusteigen. Für mich stand aber von vornherein fest, dass diese Variante nur bei optimalen meteorologischen Bedingungen in Frage käme. Danach sahen die Wetterprognosen nicht aus, und die Wirklichkeit hielt sich leider daran: Ich hätte den Mulhacén bei Regen und Nebel – eventuell sogar bei Schneefall – besteigen müssen, weshalb ich auf das Unterfangen verzichtete.

Wetterpech

Hatte ich im Vorjahr keinen Regentropfen gesehen und teilweise mit fast unerträglicher Hitze zu kämpfen, so traf ich diesmal instabileres, weniger heisses und feuchteres Wetter an. Granada verliess ich am Morgen des 10. Oktober bei Nieselregen. Rund eine Stunde später konnte ich in Arenas del Rey zwar bei trockenem Wetter zu wandern beginnen; insgesamt erlebte ich aber nur zwei klare Sonnentage, es waren die Übergangsetappen vom Valle Lecrín in die Alpujarra: Davor war es wechselhaft und danach oft nass und neblig. Mit der Zeit schmälerte dies den Wandergenuss beträchtlich, sodass ich nicht nur auf den Mulhacén verzichtete, sondern die Wanderung auch vorzeitig abbrach. Denn soviel liessen die zwischenzeitlichen Aufhellungsphasen immerhin erkennen: Diese Landschaft war viel zu schön, um bei trüber Sicht durchwandert zu werden! Ich verliess sie denn auch mit dem festen Entschluss, die Variante über den Mulhacén nächstes Jahr im Sommer – mit leichterem Gepäck und bei stabilerem Wetter – nachzuholen.

Etappierung

Unten siehst du, wie ich die Strecke in Etappen unterteilt habe.

Etappe 23 (10. Oktober 2018) Arenas del Rey - Jayena
20,5 km / 5h48'
Etappe 24 (11. Oktober 2018) Jayena - Albuñuelas
31,4 km / 9h04'
Etappe 25 (12. Oktober 2018) Albuñuelas - Dúrcal
15,1 km / 4h30'
Etappe 26 (13. Oktober 2018) Dúrcal - Lanjarón
21,6 km / 6h52'
Etappe 27 (14. Oktober 2018) Lanjarón - Soportújar 15,4 km / 5h36
Etappe 28 (15. Oktober 2018) Soportújar - Pampaneira 7,1 km / 2h43'
Etappe 29 (16. Oktober 2018) Pampaneira - Pitres 7 km / 2h31'
Etappe 30 (17. Oktober 2018) Pitres - Trevélez
17,9 km / 6h21'

Vorige Teilstrecke:

Projektabschnitt:

Nächste Teilstrecke:

Variante:


Tagesberichte

Wie es mir beim Wandern ergangen ist, kannst du in meinem Blog nachlesen. Unten gehts direkt zu den entsprechenden Tagesberichten.


Ein durchwegs harziger Tag

EHWS Andalusien, Etappe 23: Arenas del Rey - Jayena

Nach einem Jahr Pause brach ich denn zum nächsten Abschnitt auf dem andalusischen GR7 auf. Am ersten Tag tat ich mich schon hinter dem ersten Hügel wieder einmal schwer mit den Markierungen beziehungsweise deren Fehlen: Ganze zwei Stunden verbrachte ich mit Wegsuchen – wahrlich ein harziger Beginn! Danach kam ich zwar flotter voran – aber vom Harz trotzdem nicht los.

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Trockene Flüsse aus feuchten Bergen

EHWS Andalusien, Etappe 24: Jayena - Albuñuelas

Den langen Übergang über die Sierra del Chaparral nahm ich in der Morgendämmerung in Angriff. Gegen Mittag fielen erste Tropfen; den bewaldeten Kamm überschritt ich bei Nebel und Nieselregen. Die waldreichen Abhänge nach Osten liessen auch generell ein eher feuchtes Klima vermuten. Doch den Abstieg durch das tief eingeschnittene Tal begleitete kein Rauschen: Das Flussbett war knochentrocken, sein Wasser wurde unterirdisch zu Tale geführt. Beim Talausgang grüsste die Abendsonne.

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Zuerst Früchte, dann Arbeit

EHWS Andalusien, Etappe 25: Albuñuelas - Dúrcal

Erstmals auf meiner diesjährigen Andalusien-Wanderung ein strahlend blauer Tag ohne Wolken. Durch blendend weisse Dörfer und üppige Obstgärten voller Zitronen, Orangen, Granatäpfel und Mandeln trottete ich gemütlich in das auch als „Valle de la Alegría“ (Tal der Freude) bezeichnete Valle de Lecrín hinab, die dahinter aufragende Sierra Nevada vor Augen. Nach Überquerung eines Flusses gings wieder aufwärts, und just zur heissesten Tageszeit galt es, sich einen sehr steilen, steinigen und rauen Südhang hinauf zu arbeiten.

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Dunst über Tal und Meer

EHWS Andalusien, Etappe 26: Dúrcal - Lanjarón

Noch einmal bei Prachtswetter gings auf in die Westflanke der Sierra Nevada. Nach einem steilen Aufstieg folgte eine Panoramawanderung hoch dem Hang entlang – mit weiten Ausblicken über die Ebene im Norden, das Valle de Lecrín im Westen und später die Küstengebirge und das Tal des Guadalfeo im Süden. Im Dunst liessen sich Mittelmeer und Afrika-Küste erahnen. In endlosem Zickzack stieg man schliesslich zum Kurort Lanjarón hinunter, dem Tor zu den Alpujarras.

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Von Option zu Option vorgetastet

EHWS Andalusien, Etappe 27: Lanjarón - Soportújar

Ein Wetterumschwung war angekündigt; ungewiss war jedoch, wie er sich lokal vollziehen würde. Beim Aufbruch war es düster, aber trocken. Nach einigen hundert Höhenmetern Aufstieg begann es wie aus Kübeln zu giessen, das geplante Tagesziel entschwand ins Illusorische. Mit dem Wandel des Wetters änderten sich im Tagesverlauf mehrfach die Optionen. Sie begannen mit Abbruch und Rückkehr und endeten mit dem hoch am Hang klebenden Bergdorf Soportújar. Beim Eintreffen leuchtete es in der Abendsonne.

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Wanderstöcke als Pflugscharen

EHWS Andalusien, Etappe 28: Soportújar - Pampaneira

Es hätte gestern das Schlussstück sein sollen. Aber weil ich die Wanderung durch den regenbedingten Zeitverlust verkürzt hatte, holte ich es nun bei wieder sonnigem Wetter nach: Als Kurzwanderung von rund zwei Stunden nur, fast ohne Höhenunterschiede dem Südhang entlang ins Poqueira-Tal hinein. Sie hatte es aber in sich: Der Weg war streckenweise mit Gras und Gestrüpp so überwuchert, dass ich ihn nicht fand oder mich mit Hilfe der Wanderstöcke hindurchpflügen musste.

 

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Nach dem Regen ist vor dem Regen

EHWS Andalusien, Etappe 29: Pampaneira - Pitres

Nach einer regnerischen Nacht war der Morgen wolkenverhangen, auf den Mittag kündigte sich neuer Regen an. Zum Glück hatte ich erneut eine Kurzetappe vor mir. Steil ging es zum Bergdorf Bubión empor, dann durch Kiefernwald auf eine felsige Schulter hinauf und auf deren Rückseite wieder abwärts. Von den schönen Alpujarras sah ich nicht viel, die Wolkenschwaden spielten mit der Landschaft Verstecken. Am Ziel begann es sogleich wieder zu regnen und hörte für den Rest des Tages nicht mehr auf.

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Das Verschwinden der Berge beim Näherkommen

EHWS Andalusien, Etappe 30: Pitres - Trevélez

Angesichts immer schlechter werdender Wetterprognosen beschloss ich meine Wanderung heute Abend zu beenden. Am Morgen brach ich aber noch einmal unter strahlendster Sonne auf. Nach drei weissen Hangdörfern stieg ich immer tiefer ins enge Trevélez-Tal hinein und immer höher hinauf. Die Sierra Nevada-Gipfel bekam ich freilich nie zu Gesicht: Je näher ich ihnen kam, desto dichter zogen sich die Wolken um sie zusammen, und bis am Abend hatte sich der Himmel wieder vollständig bedeckt.

 

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