Entlang der alpinen Hauptwasserscheide

Im Sommer 2016 habe ich das Vorhaben in Angriff genommen, die Alpen von Westen her auf Wanderwegen nahe der Hauptwasserscheide zu durchqueren. Das Vorhaben ist ein Teilstück meines Langzeit-Wanderprojekts «Europäische Hauptwasserscheide (EHWS)», das zum Ziel hat, möglichst viele Abschnitte nahe der Linie abzuwandern, welche Europa in einen Richtung Atlantik und einen Richtung Mittelmeer entwässernden Teil trennt.

Die EHWS durch die Alpen

EHWS in den Alpen: Ungefährer Verlauf

Der alpine Abschnitt der EHWS berührt Regionen der Schweiz, Italiens, Österreichs und Deutschlands. Vom Schweizer Mittelland her kommend, tritt die Linie beim Ort Châtel St-Denis im Kanton Freiburg ins System der Alpen ein, zieht sich durch Teile der Nördlichen Westalpen und der Zentralen und Nördlichen Ostalpen und verlässt die Alpen bei Kempten im bayrischen Allgäu, um sich scharf nach Westen abbiegend durch das bayrische und badische Alpenvorland fortzusetzen. Die von der Hauptwasserscheide durchzogenen Teilgebiete sind Freiburger und Waadtländer Voralpen, Berner Alpen, Lepontinische Alpen, Rhätische Alpen, Nordtiroler Kalkalpen und Bayrische Alpen. Der höchste Punkt des alpinen EHWS-Abschnitts ist mit 4274 Metern das Finsteraarhorn in den Berner Alpen; es ist zugleich der höchste Punkt der gesamten EHWS überhaupt. Sämtliche Gewässer des Alpenraums, die auf der Atlantikseite der EHWS entspringen, fliessen in die Nordsee, und zwar durch das Flusssystem des Rheins; auf der Mittelmeerseite entspringende Gewässer fliessen nacheinander – von Westen her betrachtet – in die Teilmeere Westliches Mittelmeer, Adriatisches Meer und Schwarzes Meer, die entsprechenden Flusssysteme sind jene von Rhone, Po und Donau.

Die Wanderroute

Mir sind keine Fernwanderwege bekannt, die sich auch nur entfernt am Verlauf der Wasserscheide orientieren. Die von ihr durchzogenen Regionen gehören aber zu den touristisch meist genutzten Teilen des Alpenraums und sind daher durch ein engmaschiges Netz von Wanderwegen und Bergwanderwegen erschlossen. Dies gilt insbesondere für die Schweiz, wo praktisch jeder Weg als Wanderweg markiert und jeder noch so unspektakuläre Ort, jede Anhöhe, jedes Gehöft auf irgendeinem Wanderwegweiser als Ziel genannt wird. Man kann deshalb fast immer sicher sein, dass man sich auf irgendeinem Wanderweg befindet – die Frage ist nur, ob es auch der gewünschte ist! Weil nämlich die Wegweiser meist nur Ziele aus der nächsten Umgebung ihrer Standorte nennen, müssen Fernwanderer entweder ausgesprochen ortskundig sein oder aber ständig die Karte konsultieren, um ihren Kurs zu halten.

Gerade in den Alpen ist das Ansinnen, der EHWS zu Fuss über längere Strecken zu folgen, meistens illusorisch, da sie oft durch unbegehbares oder höchstens mit alpinistischen Methoden bewältigbares Gebiet verläuft. Das Maximalziel, das sich ein Wanderer setzen kann, muss sich deshalb darauf bescheiden, der EHWS möglichst oft so nahe wie möglich zu kommen. Ich weiche deshalb zuweilen von der Fernwandergewohnheit ab, immer vorwärts zu gehen: Ich mache hie und da Abstecher zu Punkten, an denen ich dann umkehren und denselben Weg zurückgehen muss – nur weil ein solcher Punkt auf der Wasserscheide steht.

Praktisches

Als wichtigstes Hilfsmittel bei der Planung dient mir der Online-Wanderplaner des Vereins Berner Wanderwege (www.wanderplaner.ch) . Mit ihm lassen sich Routen nicht nur in der ganzen Schweiz, sondern im gesamten von der EHWS durchzogenen Alpenraum eruieren und zusammenstellen. Um mir ein Bild zu machen über die Schwierigkeitsgrade von geplanten Routen, suche ich nach Berichten auf der Wandersite www.hikr.org; schon oft habe ich dort die gewünschten Informationen gefunden. Für Unterkünfte empfehle ich die üblichen Buchungsportale oder auch die Websites der Tourismus- und Wanderorganisationen des jeweiligen Landes oder der jeweiligen Region. In den höheren Regionen empfehlen sich auch Berghütten, zum Beispiel jene des Schweizerischen Alpenclubs SAC.

Wie weit ich bisher gekommen bin

In den Sommermonaten 2016, 2017, 2019 und 2020 habe ich in 20 zeitlich verstreuten Tagesetappen insgesamt 280 Kilometer zurückgelegt. Vom Start in in Châtel St-Denis bis zum bisherigen Endpunkt in Leukerbad habe ich dabei den durch die Freiburger und Waadtländer Voralpen sowie die Westlichen Berner Alpen verlaufenden Abschnitt der Hauptwasserscheide begleitet.

Unter den folgenden Links erfährst du mehr über die erwanderten Teilstrecken. Von dort kannst du auch zu den Tagesetappen gelangen:


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