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Kurz und prächtig

EHWS Andalusien, Etappe 18: Antequera - Villanueva de Cauche (Pedrizas)

Nach einem Ruhetag in Antequera zog ich voll neuer Wanderlust wieder los. Die Etappe war kurz: Meine Unterkunft erreichte ich schon am frühen Nachmittag. Auf dem Weg dorthin genoss ich spektakuläre Blicke auf das Karstmassiv von El Torcal und einen schönen Panoramaweg entlang der Südflanke des Kordilleren-Hauptkamms mit prächtigen Fernsichten, die bis zum Mittelmeer reichten.

Vor mir lag das letzte Wegstück, bevor der GR7 sich bei Villanueva de Cauche in einen Nord- und einen Südast spaltet. Ich hatte mich schon von Beginn an für die Südvariante entschieden, da mir diese näher an der Hauptwasserscheide zu verlaufen schien. Ich verzichtete aber darauf, bereits heute auf sie einzubiegen, da ich in angemessener Distanz keine touristischen Infrastrukturen ausfindig machen konnte. Als einzige Unterkunft für heute schien das Hotel las Pedrizas bei Villanueva de Cauche in Frage zu kommen. Allerdings war dieses nicht online buchbar, sodass ich heute auf gut Glück loszog und darauf vertraute, notfalls per Taxi nach Antequera zurückkehren zu können.

Erholung in der Mitte Andalusiens

Nach der eintägigen Pause, die ich mir in der auch als «Mitte Andalusiens» bezeichneten Stadt am Nordfuss der Kordillere gegönnt hatte, fühlte ich mich wieder frisch und fit; die verschwitzten Kleider waren gewaschen, die Füsse gepflegt und eine sich aufplusternde Blase versorgt. Ich hatte es genossen, ohne Ziel und Zeitdruck entspannt herumzuschlendern, Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und mich mit der langen und vielschichtigen Vergangenheit des Ortes zu befassen. Da es ein gewöhnlicher Werktag und zudem nicht Saison war, konnte ich in aller Ruhe die auf einem Hügel über der Stadt thronende «Alcazaba», die auf arabische Ursprünge zurückgehende Burganlage, besichtigen. Von dort aus sah man nicht nur gut auf die nebenan liegenden Ruinen römischer Bäder hinunter, sondern auch nach Süden zum Torcal-Gebirge hin und nach Norden über das Dächermosaik der Stadt in die weite Ebene der Vega de Antequera hinaus.


Antequera - Las Pedrizas
Etappe EHWS Andalusien, Nr. 18
Länge / Zeit 18,7 km / 4h25'
Auf- / Abwärts 557 m / 327 m
Höchster Punkt 940 m (Cordel de Fuente)
Tiefster Punkt 508 m (Antequera, la Villa)
Fernwanderwege E4 (GR7)
Durchgeführt Mittwoch, 11. Oktober 2017
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Antequera, Fels der Verliebten.
Antequera, Fels der Verliebten.

Markant erhob sich aus dieser ein alleinstehender, mächtiger Felsen, der Peña de los Enamorados («Felsen der Verliebten»), von dem sich einer Legende zufolge einst ein christlicher Jüngling und eine muslimische Prinzessin angesichts der Unmöglichkeit ihrer Liebe gemeinsam in den Tod gestürzt haben sollen.

 

Im Morgenlicht zog ich am Fuss des Alcazaba-Hügels vorbei in südlicher Richtung zur Stadt hinaus, durch das hübsche Tälchen des Río de la Villa auf die Silhouette der Sierra Pelada zu, ein Vorgebirge des Torcal-Massivs. Der Fluss kam mir zwar von dort entgegen, endete aber trotzdem im Mittelmeer, da er wie alle Bäche der Gegend vom Guadalhorce aufgeschluckt wurde, um mit diesem in einem grossen Bogen weiter westlich durch die Kordillere hindurch zu brechen. Nach etwa eineinhalb Stunden, wovon die letzte halbe Stunde auf der Strasse zu gehen war, erreichte ich am Fuss des Gebirges die Quelle des Flüsschens, den «Nacimiento de la Villa»; darum herum war ein lauschiges Pärklein mit Teichen, Fusswegen, Spielgeräten, sogar einem Campingplatz und einigen Bänklein angelegt. Im Augenblick waren aber nur einige wenige Leuten da, die ihre Hunde auslaufen liessen.

Schneise durchs Gebirge

Oberhalb des Pärkleins traf ich erstmals eine GR-Markierung an und gelangte gleich darauf wieder auf die Strasse, die nun entlang der Bergflanke steiler anzusteigen begann. Der Verkehr war nicht dicht, aber doch rege und zum Teil schnell und dadurch nicht ungefährlich. Spektakuläre Kulissen entschädigten dafür: Zunächst weitete sich mit zunehmender Höhe die Sicht über die nördlichen Ebenen, dann stiess die Strasse in eine Schneise hinein, die das Gebirge zweiteilte; plötzlich wurde ich auf beiden Seiten durch steile Berghänge flankiert. Zwischen diesen ging es geradeaus weiter aufwärts, bis nach etwa drei Kilometern eine Höhenstufe kam, welche die Strasse mit Serpentinen überwand, um auf der Rückseite der Bergkette auf das Dach des Karst-Massivs von El Torcal hinaufzuklettern. In der zweiten Serpentine verliess ich sie, ging auf einem Kiesweg weiter geradeaus und überschritt wenig später einen Sattel – und schon war auch ich auf der Südseite der Bergkette und blickte in endlos scheinende Weiten hinaus.

Südflanke der Kordillere. Blick Richtung Küste.
Südflanke der Kordillere. Blick Richtung Küste.

Von hier an war die Wanderung nur noch Genuss: Auf einem angenehmen Feldweg ging es locker der felsigen Bergflanke entlang durch dürres Gras- und abgeerntetes Ackerland; ein frischer Wind machte die Schattenlosigkeit des Wegstücks erträglich, auch wenn es mir zum Hinlegen und Dösen dann doch zu heiss war. Zur Linken begleiteten mich die Kreten und zum Teil faszinierenden Zackenformen der Kordillere, zur Rechten schweiften die Blicke über die Hügellandschaft, die sich mit zunehmender Weite immer mehr absenkte; am Horizont verrieten einige silbern glitzernde Flächen sogar das Mittelmeer. Allmählich näherte ich mich einem Einschnitt in der Bergkette, durch den sich eine Autobahn in das Hügelland hinunter ergoss, in dem weiter unten ein kleines weisses Dorf in Sicht kam: Das musste Villanueva de Cauche sein.

Nach einem kurzen Abstieg erreichte ich gegen halb Drei auch schon das Hotel Las Pedrizas; es lag knapp unterhalb des gleichnamigen Passes zwischen Autobahn und eine lokale Strasse eingeklemmt und befand sich ein gutes Stück oberhalb des Dorfes. Es sah auf den ersten Blick etwas schäbig und verschlossen aus, und ohne die zwei Autos auf dem riesigen Parkplatz hätte man es für verlassen halten können. Aber es war geöffnet, hatte ein Restaurant und freie Zimmer.

Nur keine Aufmersamkeit

Der Eindruck der Schäbigkeit bestätigte sich beim Betreten des Zimmers: löchriger Linoleumboden, durchgelegene Matratzen, Badewanne mit Rostflecken – kein Wunder, wagte man es nicht, im Web auf sich aufmerksam zu machen! Ganz anders hingegen das Restaurant: Es war gepflegt und geräumig, das Mobiliar fast etwas gediegen, und die bedienende Wirtstochter zeigte sich freundlich, hilfsbereit und ausgesprochen redselig: Nichts liess sie unversucht, um die sprachlichen Hürden zwischen uns zu überwinden und mir mit gestischen und mimischen Mitteln die auf der Speisekarte aufgeführten Köstlichkeiten näher zu bringen.

Nach einem durchaus schmackhaften Mittagessen machte ich mich in Turnschuhen auf einen Spaziergang zum Dorf hinunter. Villanueva erwies sich als klein, kompakt, ausgestorben und ohne etwas, das Aufmerksamkeit verdiente – es sei denn die Aussicht auf die gen Málaga hinunter führende Autobahn. Diskret behandelte man auch den E4/GR7; Hinweise auf ihn fand ich einzig in Form einer Markierung bei der Fussgängerunterführung unter der Autobahn, oben auf der Höhe des Hotels; zudem stiess ich dort auf eine jener Informationstafeln, die eine mehr oder weniger verwitterte Karte des gesamten Wegverlaufs durch Andalusien zeigen, jedoch ohne jeden Bezug zum Standort oder dessen Umgebung. Dass sich der Fernwanderweg an dieser Stelle in einen Nord- und einen Südast verzweigte, ging wohl nur jene etwas an, die es ohnehin schon wussten.


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