Andalusien Süd

EHWS Andalusien, Teil I: Tarifa - Ronda (2016)

Als erstes Teilstück des «Sendero Andaluz» habe ich im Oktober 2016 eine Strecke von Tarifa nach Ronda zurückgelegt. Für die etwa 213 Kilometer (einschliesslich Abstechern und Umwegen) benötigte ich elf Tage; es wären aber auch weniger möglich. Die Route beginnt auf Meereshöhe und erreicht an ihrem höchsten Punkt  1024 Meter. Sie ist grundsätzlich markiert und gut begehbar. Da sie eine Reihe der touristisch attraktiven «pueblos blancos» (weisse Dörfer) verbindet, stehen etliche Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung, allerdings manchmal in etwas zu grossen Entfernungen. Ihre landschaftlichen Höhepunkte sind nebst den auf arabische Ursprünge zurückgehenden weissen Dörfern ausgedehnte Wälder mit vielen Korkeichen (spanisch: «Alcornocales») im Süden und Karstgebirge mit prärienartigen, abflusslosen Hochtälern («Poljen») im nördlichen Teil der Strecke.

Zwischen Winden, Regen und Hitze

Am 11. Oktober 2016 flog ich von Zürich nach Málaga und reiste von dort per Bus via Algeciras nach Tarifa, dem südlichsten Ort Spaniens und des europäischen Festlandes, wo die Küste Afrikas zum Greifen nah scheint und die Winde aus allen Richtungen durch die Meerenge jagen.

Nach einer Art Prolog-Etappe, bei der ich mehrheitlich im Strassenverkehr den ersten paar Kilometern der hier beginnenden EHWS nachspürte, brach ich am Mittwoch 13. Oktober zum Abenteuer «Sendero Andaluz» auf.



Andalusien Süd
Abschnitt EHWS Andalusien, Teil I
  (Fernwanderprojekt EHWS)
Länge / Dauer 213 km / 11 Tage
Durchgeführt 12. - 22. Oktober 2016
Höchster Punkt 1'026 m: Puerto del Correo
Tiefster Punkt 1 m: Tarifa
Start Tarifa
Ende Ronda
Fernwanderwege E4 (GR7)
Weitere Facts & Figures
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Ich begann bei Sturm und Regen und zog mir trotz wasserdichter Ausrüstung prompt eine Erkältung zu, die mich zusammen mit weiteren Regenfällen schon am Freitag zum Pausieren veranlasste: Ich verbrachte deshalb einen Tag in Los Barrios, einem hübschen Städtchen im Hinterland der Bucht von Algeciras. Ab Samstag 16. Oktober, dem vierten Wandertag, besserte sich das Wetter markant, und auch meine Fitness zeigte sich weitgehend erholt; in der Folge genoss ich mehrheitlich sonniges und warmes Wetter, wobei die Temperaturen zuweilen auf über 27 Grad und damit bis an die Grenze der Wanderfreundlichkeit kletterten. Erst eine Woche später – am Samstag, 22. Oktober – ballten sich über mir wieder dunkle Wolken zusammen; sie begannen sich jedoch gnädigerweise erst rund eine Stunde nach meiner Ankunft am Zielort Ronda zu entleeren. Am Sonntag, 23. Oktober reiste ich bei trübem und kühlem Regenwetter per Bahn nach Málaga und flog am Folgetag von dort zurück in die Schweiz.

Grün und waldreich

Die Strecke führt durch die Comarcas (Bezirke) Campo de Gibraltar und Sierra de Cádiz im Osten der Provinz Cádiz in die Serranía de Ronda, eine Comarca im Westen der Provinz Málaga. Dabei zieht sich die Route von der Atlantikküste her durch einige der südwestlichsten Ausläufer der Penibetischen Kordillere, welche die beiden Naturpärke «Alcornocales» und «Sierra de Grazalema» bilden. Sierra de Ojén, Sierra de los Melones, Sierra del Caíllo, Sierra de Líbar, Sierra del Palo und Sierra de Juan Diego heissen einige der berührten Gebirgszüge, deren höchste Erhebungen bis zu 1400 Meter erreichen. Dank ihrer exponierten Lage zwingen diese sowohl die vom Atlantik als die vom Mittelmeer herkommenden Winde zum Aufsteigen und die mitgeführten Wolken zum Regnen. Die Landschaft zeigt sich denn auch für spanische Verhältnisse relativ grün und waldreich, in den Tälern und an den Hängen wird verbreitet Landwirtschaft betrieben, und die halbwilden Schweine finden reichlich Eicheln für die Produktion des berühmten Ibérico-Schinkens.

Vom Strand ins Karstgebirge

Der Fernwanderweg E4/GR7 und damit der «Sendero Andaluz» beginnt in Tarifa mit einer Strandwanderung entlang der Costa de la Luz, zieht dann in einem nach Westen gewölbten weiten Bogen um die Sierra de Ojén herum ostwärts ins Schwemmland der Bucht von Algeciras, um anschliessend nach Norden hin durch die Ebenen des Guadarranque- und später des Hozgarganta-Flusses ins Landesinnere vorzudringen.

 

Grob lässt sich die Strecke nach Ronda in zwei unterschiedliche Hälften gliedern. So weisen die ersten paar Tagesetappen ein eher flaches Relief mit einigen wenigen, meist sanften Steigungen und Gefällepartien auf und verlaufen relativ oft auf Asphalt und entlang von Verkehrswegen. Der von nahezu jeder Anhöhe aus am Horizont sichtbare Felsen von Gibraltar ist so etwas wie das Wahrzeichen dieses Abschnitts.

Ab dem weissen Städtchen Jimena de la Frontera folgt ein höher gelegener, wilderer Abschnitt, der in ein Karstgebirge übergeht und durch Stille und Einsamkeit gekennzeichnet ist. Steil aufragende, zerklüftete Kalkfelsen mit darüber kreisenden Geiern sind für mich das Symbolbild dieses zweiten Teils. Durch «Poljen» und über karstige Pässe gelangt die Route schliesslich in die fruchtbare Talsenke des Guadiaro-Flusses hinunter, um zum Abschluss die steile Klippe von Ronda zu erklimmen.

Die Hauptwasserscheide trennt in diesem küstennahen Abschnitt nur kurze Gewässerläufe mit entsprechend keinen oder nur sehr kleinen Einzugsgebieten. Die ersten Rinnsale, die man auf der Wanderung nach Norden antrifft, münden bereits wenige Kilometer nach ihrem Ursprung direkt ins Meer.


Drei Mal über die Hauptwasserscheide

Dann streift oder quert man das eine oder andere Wasseräderchen, das sich erst mit andern vereinigt und vielleicht unter einem andern Namen als seinem ursprünglichen dem Meer zufliesst. Je weiter man sich von der Küste entfernt, desto öfter sind solche Äderchen nur die äussersten Ursprungszweige ganzer Gewässersysteme. Erste bescheidene Systeme sind auf der Seite des Atlantiks jene des Río de la Jara und des Río Barbate, auf Mittelmeerseite jene der in die Bucht von Algeciras mündenden Río de las Cañas o Palmones und Río Guadarranque. Bereits etwas weiter verzweigt sind weiter nordwärts die Systeme des Guadalete auf der Atlantik- und des Guadiaro auf der Mittelmeerseite. Das von Süden her betrachtet erste grosse Flusssystem der iberischen Halbinsel, das des Guadalquivir – der Lebensader Andalusiens – , wird auf dieser Wanderung noch nicht berührt.

Die Wanderroute verlässt die Europäische Hauptwasserscheide direkt nach ihrem Ausgangspunt in Tarifa. Sie verläuft zunächst auf der Atlantikseite, kreuzt die EHWS dann insgesamt dreimal und findet sich an ihrem Zielort auf der Mittelmeerseite wieder. Die erste Querung erfolgt auf der Passhöhe des Puerto de Ojén, dem Übergang zwischen der Costa de la Luz und der Bucht von Algeciras, die zweite auf jener des Mojón de la Vibora am Übergang zum Karst und die dritte irgendwo im Karstgebirge zwischen Villaluenga del Rosario und der Sierra de Líbar. Im Karst mit seinen Poljen, wo das Wasser zum Teil nur unterirdisch abfliesst, lässt sich der Verlauf der Wasserscheide oft nicht eindeutig feststellen

Die grösste Herausforderung: die Orientierung

Sportlich stellt diese Wanderung keine sehr hohen Anforderungen; die Wege sind im Allgemeinen gut begehbar und die Auf- und Abstiege sind nicht allzu lang und mit wenigen Ausnahmen nicht extrem steil. Der höchste Punkt der Strecke liegt auf 1024 Meter auf dem Puerto del Correo, dem Übergang über die Sierra de Líbar.

Etwas mühsam sind vor allem in der ersten Hälfte der Route die zum Teil langen und manchmal auch verkehrsreichen Asphaltstrecken. Die grösste Herausforderung jedoch stellt die Orientierung dar. Teilweise ist der Weg zwar sehr gut mit den Fernwanderwegzeichen des E4/GR7 markiert, aber immer wieder hören diese plötzlich auf und zeigen sich erst nach mehreren Kilometern wieder – sofern man denn nicht vorher vom Weg abgekommen ist und überhaupt keine mehr antrifft… In der Zwischenzeit gelangt man über manche unmarkierte Kreuzung, lässt sich dadurch verunsichern und verliert Zeit mit der Suche nach dem richtigen Weg. Ohne den Cicerone-Wanderführer wäre ich wohl des öfteren verloren gewesen – aber auch dieser lässt einen manchmal ratlos. Insgesamt habe ich mich zwar nicht sehr oft verlaufen, aber ein- oder zweimal dadurch viel Zeit verloren. Und einmal nicht nur Zeit, sondern auch Kraft und infolge Hitze viel Flüssigkeit, die sich nicht so leicht ersetzen liess…

Denn die relativ dünne Besiedlung und entsprechend schwache Verkehrserschliessung der Gegend bringt auch eine entsprechend dünne Versorgungsdichte mit sich. Die weissen Dörfer halten zwar touristische Angebote bereit, manchmal liegen sie aber weiter voneinander entfernt als man an einem einzigen Tag wandern möchte oder könnte. Und zwischen den Dörfern sind Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten oder gar Unterkünfte äusserst selten, ebenso wie die Kurse der spärlichen Buslinien und der einzigen Bahnverbindung der Gegend (von Algeciras nach Ronda). Genügend Proviant und vor allem Flüssigkeit im Gepäck ist deshalb unabdingbar – das entsprechende Mehrgewicht muss man in Kauf nehmen. Auch kann ein Zelt nicht schaden. Ich hatte jedenfalls eines dabei, und einmal habe ich es auch wirklich gebraucht!

Etappierung

 Unten siehst du, wie ich die Strecke in Etappen eingeteilt habe.

Etappe 1 (11. Oktober 2016) Tarifa - Observatorio El Cabrito retour 18,5 km / 6h
Etappe 2 (12. Oktober 2016) Tarifa - Facinas 26 km / 7h45'
Etappe 3 (13. Oktober 2016) Puerto de la Torre del Rayo - Los Barrios 29 km / 7h50'
Etappe 4 (15. Oktober 2016) Venta del Frenazo - Castillo de Castillar 32 km / 7h55'
Etappe 5 (16. Oktober 2016) Castillo de Castillar - Jimena de la Frontera 20,5 km / 6h10'
Etappe 6 (17. Oktober 2016) Jimena de la Frontera - Cerro del Gavilán 17,3 km / 6h
Etappe 7 (18. Oktober 2016) Cerro del Gavilán - Peñon del Berrueco 14 km / 4h
Etappe 8 (19. Oktober 2016) Peñon del Berrueco - Ubrique 11,4 km / 2h50'
Etappe 9 ( 20. Oktober 2016) Ubrique - Villaluenga del Rosario 11,2 km / 4h20'
Etappe 10 ( 21. Oktober 2016) Villaluenga del Rosario - Montejaque 20,2 km / 6h10'
Etappe 11 ( 22. Oktober 2016) Montejaque - Ronda 10,8 km / 3h10'

Projektabschnitt:

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Tagesberichte

Wie es mir beim Wandern ergangen ist, kannst du in meinem Blog nachlesen. Unten gehts direkt zu den entsprechenden Tagesberichten.


Wo Meere sich scheiden. Ein Forschungsbericht.

EHWS Andalusien, Etappe 1: Tarifa - Observatorio El Cabrito - Tarifa

Die erste Etappe meiner Andalusien-Wanderung war eine Art Prolog: Sie hatte im Unterschied zu einer Fernwanderetappe einen Hin- und einen identischen Rückweg und kein eigentliches Ziel. Sie diente nicht dem Wandergenuss, sondern gewissermassen einem Forschungsdrang: Ich unternahm sie einzig und allein zu dem Zweck, dem Verlauf der vom Fernwanderweg «Sendero Andaluz» zunächst nicht berührten Europäischen Hauptwasserscheide (EHWS) auf ihren ersten paar Kilometern vom Meer her – genauer: von den Meeren her – ein wenig nachzuspüren.

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Wie Bäche entstehen

EHWS Andalusien, Etappe Nr. 2: Tarifa - Facinas

Heute ging es also los auf dem Sendero Andaluz! Er beginnt offiziell beim Tourismusbüro von Tarifa in der Avenida de la Constitución. Dort gibt es eine Informationstafel der Provinz Cádiz über den GR 7 bzw. den „Sendero Europeo E-4 Tarifa – Atenas“; den ersten Wegweiser und die ersten weiss-roten Fernwanderwegmarkierungen traf ich allerdings erst nach über 6 km beim Ort La Peña an.

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Korkeichen und Regenbogen

EHWS Andalusien, Etappe 3: Puerto de la Torre del Rayo - Los Barrios

Auch dieser Tag begann mit Regen, diesmal schon am frühen Morgen und zeitweise kräftig. Auf dem Programm stand der zweite Teil der langen Etappe nach Los Barrios, die ich gestern durch den Abstecher nach Facinas unterbrochen hatte. Nachdem die gestrige Wanderung von der Hauptwasserscheide weg durchs Hinterland der Atlantikküste führte, sollte es heute in einem weiten Bogen über die Wasserscheide zurück Richtung Mittelmeer gehen, bis in die unmittelbare Nachbarschaft der Bucht von Algeciras.

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Lohnende Langeweile im Dunstkreis von Gibraltar

EHWS Andalusien, Etappe 4: Venta del Frenazo - Castillo de Castellar

Den Freitag habe ich übersprungen: Ich erwachte mit einem gehörigen Schnupfen und kraftlos und blickte in einen überaus tristen, grauen Morgen mit Nieselregen hinaus. Ich beschloss, eine Wanderpause einzuschalten, stornierte die bereits gebuchte Unterkunft am Zielort Castillo de Castellar, verlängerte die Buchung im Montero Plaza und kroch wieder ins Bett. Später, als das Wetter besserte und ich etwas ausgeschlafener war, habe ich das Städtchen Los Barrios ein wenig erkundet. Ein Vorort von Algeciras, aber mit eigener Identität und einem hübschen historischen Zentrum, vorwiegend weiss getünchten Häusern und vielen Blumen.

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Dann und wann ein vorbeibrausender Zug

EHWS Andalusien, Etappe 5: Castillo de Castellar - Jimena de la Frontera

Wie am Vorabend mit dem Taxifahrer vereinbart, erwartete mich dieser um 9 Uhr vor dem Hotel – pünktlicher könnten nicht einmal Schweizer sein! Für ihn wars der letzte Job einer langen Arbeitsnacht: Es war die Nacht von Samstag auf Sonntag, da gab es in der Region Hunderte von «chicos» und vor allem «chicas» von Disco zu Disco und irgendwann nach Hause zu bringen, wie er mir anvertraute. Für mich war es die Anfahrt in einen neuen sonnigen und warmen Wandertag hinein. Nachdem er mich in Castillo abgesetzt hatte, wollte er nach Hause fahren und sich schlafen legen. Ich dagegen nahm eine weitere Etappe des «Sendero Andaluz» unter die Füsse, über den der andalusische Taxifahrer nach der Plauderei mit diesem Schweizer ein klein wenig mehr wusste als vorher (als es so gut wie nichts war).

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Irrend über eine namenlose Bergwelt

EHWS Andalusien, Etappe 6: Jimena de la Frontera - Cerro del Gavilán

Erneut ein strahlend schöner Morgen. Durch das Fenster meines Zimmers blickte ich in eine weite Landschaft mit einem langgezogenen Gebirgspanorama im Morgenglanz hinaus. Bessere Voraussetzungen für das heutige Vorhaben konnte ich mir nicht wünschen! Ich war etwas aufgeregt, weil ich mir nur vage vorstellen konnte, was die Wanderung von mir fordern würde. Ich wusste nur, dass die Route weitab von Dörfern und Verkehrswegen über bis zu 800 à 900 Meter hohe Gebirgszüge führte und erst nach fast 40 km wieder eine Ortschaft – Ubrique – erreichte. Der Cicerone-Führer gab die Wanderdauer bis dorthin mit 10 Stunden an, und schlug drei Optionen vor. Erstens: durchmarschieren bis Ubrique; zweitens: versuchen, es wenigstens bis zur nächsten Strasse zu schaffen, der A-373, und von dort ein Taxi rufen; drittens: unterwegs wild zelten. Die erste Option schätzte ich als kaum realistisch, die zweite als möglich und die dritte als wahrscheinlich ein. Dies war denn auch der Hauptgrund dafür, dass ich überhaupt ein Zelt mitführte.

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Müder Wandersmann zum Mitnehmen

EHWS Andalusien, Etappe 7: Cerro del Gavilán - Peñon del Berrueco (Westfuss)

Sobald das dämmernde Morgenlicht hell genug war, das war gegen sieben Uhr, begann ich zusammenzupacken. Geschlafen hatte ich nicht viel, aber doch mehr, als ich angesichts von Durst und Überlebenssorgen erwartete hatte. Es war die ganze Nacht hindurch ruhig geblieben, ich hatte weder nächtlichen Tierbesuch noch war es mir jemals kalt, und das Zelt konnte ich absolut trocken einpacken: Es gab nicht einen Tropfen Morgentau. Gegen halb neun war alles wieder im Rucksack und ich abmarschbereit. Die Frage war, wie weit ich es heute ohne Nahrung, unausgeschlafen und mit knappen Wasserreserven – ich hatte noch etwas mehr als dreiviertel Liter – wohl schaffen würde: Bis nach Ubrique hinunter oder nur bis zur Strasse A-373?

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Hinabtauchen in den trockenen Kessel von Ubrique

EHWS Andalusien, Etappe 8: Peñon del Berrueco (Westfuss) - Ubrique

Etwas mehr Schleiergewölk als an den vorangegangenen Tagen, aber erneut ein sonniger Morgen. Ich fühlte mich wieder hergestellt, war aber froh, die Wanderung heute zunächst mit einem eher gemütlichen Stück fortsetzen zu können. Es ging um das Stück, das ich mir gestern durch die per Anhalter ergatterte Autofahrt erspart hatte – also knapp 3 Stunden, hauptsächlich abwärts. Per Taxi liess ich mich zu dem Parkplatz am Südwestfuss des Peñon del Berrueco zurückbringen – dort, wo der GR7 von Jimena her in die Strasse einmündet, neben der Korkeiche, auf der ich vergeblich ein Taxi anzurufen versucht habe. Wie Tag und Nacht unterschied sich mein jetziges Befinden von dem gestrigen: Jetzt war ich gut genährt und ausgeruht und hatte ausreichend Wasser dabei, aber trotzdem viel weniger Gewicht zu tragen – denn ich würde am gleichen Ort übernachten und hatte das meiste Gepäck im Hotel zurückgelassen. Auch die Temperatur schien angenehmer, es war sogar leicht windig. Ich hatte viel mehr Auge für Natur und Landschaft als gestern.

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Auf Römerspuren ins Karstgebirge

EHWS Andalusien, Etappe 9: Ubrique - Villaluenga del Rosario

Die heutige Wanderung war wiederum kurz, aber spektakulär und im ersten Teil schweisstreibend. Ging es gestern abwärts, so gings nun wieder hinauf, in das Karstgebirgssystem der Sierra de Grazalema und den gleichnamigen Naturpark hinein. Unter einem leicht bedeckten Himmel brach ich auf, zum nördlichen Stadtrand von Ubrique, wo die Calzada Romana nach Benaocaz beginnt. Durch einen Einschnitt zwischen hohen Felsen steigt diese Römerstrasse ziemlich geradlinig und steil hinauf. Beeindruckend, wie gut dieser wohl an die 2000 Jahre alte Verkehrsweg erhalten ist: Die Pflästerung ist zum Teil völlig intakt oder exzellent wiederhergestellt, hie und da sind die Spuren der Ochsenkarren noch in den Steinplatten zu sehen! Links und rechts Oliven- und Obstbäume, kleinere Herden von Schafen und Ziegen. Der eine oder andere Esel, der mir nachschaut, wie ich meinen 20-Kilo-Rucksack den Berg hinaufstemme, verstärkt den Eindruck vollends, in ein früheres Zeitalter zurückversetzt zu sein.

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Quer durch den Karst

EHWS Andalusien, Etappe 10: Villaluenga del Rosario - Montejaque

Das war heute eine wunderbare Wanderung: über drei Pässe und ebenso viele Trockentäler quer durch den Karst, fast alles auf Naturbelag, fern von jedem Strassenverkehr – und mit rund 20 km gerade lang genug, um den Tag zu füllen und dennoch Zeit für Flanier- und Verweilphasen zu lassen. Hinzu kam das nochmals sehr wanderfreundliche Wetter: Gewölk über den Bergkämmen kündigte zwar einen Umschwung an, hatte es damit aber offensichtlich nicht eilig und überliess die Führungsrolle noch einmal der Sonne.

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Die letzten Stunden Ruhe

EHWS Andalusien, Etappe 11: Montejaque - Ronda

Das letzte Stück meiner diesjährigen Andalusien-Wanderung war wieder ein kurzes, eigentlich eine Halbtagesetappe: Als Endstation hatte ich Ronda bestimmt, weil es von hier aus gute Verkehrsverbindungen nach Málaga gab, von wo aus ich am Montag in die Schweiz zurückfliegen musste. Bis Ronda ist es von Montejaque aus etwa drei Wanderstunden. Das Wetter hat wie angekündigt gedreht: Es hatte viel mehr und zum Teil bedrohlich dunkle Wolken, es war windiger und kühler als an den vergangenen Tagen – aber noch drang die Sonne durch, noch war es trocken.

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