Zwischen den Mittelgebirgen Vogesen und Jura hindurch zieht sich ein etwa 30 km breiter Korridor, der – haarscharf an der Nordwestschweiz vorbei – Südwestdeutschland mit Südostfrankreich verbindet. Er ist Teil des Oberrhein-Saône-Rhône-Grabens, durch den zum Beispiel kalte Winde nach Süden stürmen und umgekehrt warme Mittelmeerluft, zuweilen samt Saharastaub, nach Norden drängt. Quer durch den Korridor verläuft ein etwa 300 bis 400 Meter hoher Sattel, der einerseits die beiden Mittelgebirge miteinander verbindet und andererseits die Gewässer in solche, die Richtung Nordsee und andere, die zum Mittelmeer fliessen, trennt. Dieser Sattel wird auf Deutsch «Burgundische Pforte» und auf Französisch meist entweder «Trouée de Belfort» (etwa: «Schneise von Belfort») oder «Porte d’Alsace» («Elsässer Pforte») genannt.
Die EHWS verläuft als Talwasserscheide vom Fuss des Montori am Südostrand der Vogesen in Hauptrichtung Nord-Süd über den Sattel und stösst im französisch-schweizerischen Grenzgebiet an den Sockel der Ajoie, ein zum Tafeljura zählendes Plateau. Sie fällt streckenweise mit der Grenze zwischen den französischen Regionen Bourgogne-Franche-Comté und Grand-Est beziehungsweise den Departementen Territoire de Belfort und Haut-Rhin (dem historischen Oberelsass oder Sundgau) zusammen und stösst am Ende des Abschnitts an den Schweizer Kanton Jura.
| Burgundische Pforte | |
| Abschnitt | Wasserscheide EHWS, Abschnitt Burgundische Pforte |
| Länge / Dauer | 61,2 km / 3 Tage |
| Durchgeführt | 15. - 17- April 2022 |
| Höchster Punkt | 827 m: Sudel |
| Tiefster Punkt | 326 m (Altenach) |
| Start | Rougemont-le-Château (F) |
| Ende | Beurnevésin (CH) |
| Fernwanderwege | --- |
An ihrer Ostflanke lenkt sie den Vogesenfluss Doller und die vom Jura herkommende Largue (Larg) zur Ill ab, die durch das Elsass nordwärts und als linker Nebenfluss zum Rhein strömt. An der Westseite leitet sie die am Vogesengipfel Baerenkopf entspringende Saint-Nicolas, die zuletzt den Namen Bourbeuse annimmt, der aus der Ajoie kommenden Allaine entgegen, die zum Allan mutiert und sich in den vom Jura her nach Norden schlängelnden, von der Burgundischen Pforte jedoch nach Süden abgedrängten Doubs ergiesst, der das Wasser seinerseits als linker Nebenfluss zur Saône und via diese zur Rhone schickt.
Überwunden wird die Wasserscheide dem oben erwähnten Korridor entlang durch den Rhein-Rhone-Kanal, aber auch durch die Hauptachsen des Strassen- und Schienenverkehrs, so die Autobahn A 36 («Comtoise» genannt) und der TGV. Ein unter dem Sattel liegendes Kohlebecken bildete die Basis für die Entwicklung von Schwer- und anderer Industrie, von der die Region auch heute noch weitgehend lebt. (Ein Beispiel sind die Peugeot-Werke von Sochaux und Montbéliard). Grössere Zentren sind auf der Rhein-Seite der EHWS etwa Mulhouse, Freiburg und Basel und auf der Rhone-Seite Belfort, Montbéliard und Besançon.
Markierte Wanderwege, die ich nutzen konnte, sind in der Region durchaus vorhanden; Fernwanderwege suchen allerdings nicht die Nähe zur EHWS. Nur ganz am Schluss ging ich einige Kilometer auf dem Europäischen Fernwanderweg E5. Touristische Infrastrukturen wie Unterkunftsmöglichkeiten sind ausserhalb der Zentren und der benachbarten Bergregionen selten. Ich habe für meine Wanderung deshalb die Stadt Belfort als Stützpunkt gewählt. Die Verbindung zu meinen Etappen ermöglichten mir teils Busse (immerhin verfügt die Agglomeration über ein bescheidenes Liniennetz), teils profitierte ich von Transportdiensten, die Ruth mir mit unserem PKW leistete.
Ich durchwanderte die Burgundische Pforte übers Osterwochenende 2022 in drei Etappen und legte dabei rund 62 Kilometer zurück.
Unten siehst du, wie ich die Strecke in Etappen eingeteilt habe.
| Etappe 1 (15. April 2022) | Rougemont-le-Château - Larivière | 21,6 km / 6h10' |
| Etappe 2 (16. April 2022) |
Larivière - Altenach |
22,1 km / 5h35' |
| Etappe 3 (17. April 2022) |
Altenach (F) - Beurnevésin (CH) |
18,5 km / 4h45' |
Voriger Projektabschnitt:
Gesamtprojekt:
Wie es mir beim Wandern ergangen ist, kannst du in meinem Blog nachlesen. Unten gehts direkt zu den entsprechenden Tagesberichten.
EHWS Burgundische Pforte, Etappe 1: Rougemont-le-Château - Larivière

Vor dem Betreten der Ebene stieg ich nochmals in die Höhe: zu Burgen hinauf, die einst über sie wachten. So, als holte ich mir dort einen Passierschein ab. Dabei sind nur Ruinen übrig und die Wächter längst Geschichte. Aber noch immer fällt von dort die Wasserscheide zu dem Plateau hinab, das im Deutschen «Burgundische Pforte» genannt wird. Ihr entlang schritt ich – sozusagen auf der Türschwelle – auf langen Geraden durch Feld und Wald ins Weite hinaus. Nur zum Übernachten musste ich sie verlassen.
EHWS Burgundische Pforte, Etappe 2: Larivière - Altenach

Nein, eintönig oder eindeutig flach war diese Frühlingswanderung durch den Sundgau nicht. Da senkte sich das Land mal zu einer Talmulde ab, schon schritt man wieder auf einem platten Rücken dahin. Schmucke Fachwerk-Dörfer grüssten teils mit französischen, teils mit deutschen Namen oder beidem. Zwischen dunkle Wälder drängten offene Flächen, auf denen sich hellgelb blühende Rapsfelder ausdehnten. Über ihnen Wolkenfelder, die eine forsche Bise mal zusammen-, mal auseinandertrieb.
EHWS Burgundische Pforte, Etappe 3: Altenach (F) - Beurnevésin (CH)

Weites offenes Land, auf dem fast nichts die Bise bremst, und dann viel schützender Wald. Zwischen den parallel nach Nordwesten ziehenden Flüsschen Largue und Suarcine steuere ich in Gegenrichtung zu diesen den Jura an. Dabei stelle ich fest: Wo die Topographie das Wasser scheidet, sammelt der Mensch es – nämlich in unzähligen Teichen, in denen er nach Fisch angelt. Fast könnte man ob der Idylle die kriegerische Vergangenheit vergessen. Gedenkstätten am Weg versuchen es zu verhindern. Neugierige Spaziergänger, denen ich bei einer davon begegne, wollen als erstes von mir wissen, woher ich komme.