Die Gebirgsmassive der Montagne Noire und der Cevennen werden durch die Grands Causses voneinander getrennt – eine Zone ausgedehnter, baumarmer Kalk-Hochplateaus, die durch tiefe, canyonartige Schluchten zerklüftet sind und auf denen Regenwasser nahezu spurlos versickert. Die Hauptwasserscheide durchquert diese Zone in ihrem südlichsten Teil, dem Causse du Larzac – und diesen an seiner schmalsten Stelle.
Beginnend auf der zum Espinouse-Massiv gehörenden Montagne de Marcou, wo sie markant von einer Ost-West- in eine Süd-Nord-Orientierung abwinkelt, senkt sie sich in das nur wenig niedrigere Causse-Plateau ab, in welchem sie sich nach Nordosten biegt und das sie nach rund 70 bis 80 Kilometern mit dem Anstieg zu den Cevennen wieder verlässt.
Der Abschnitt bildet ein weiteres Teilstück der Wasserscheide zwischen dem Golf von Biskaya und dem Golfe du Lion beziehungsweise zwischen den Flusssystemen der Garonne auf der Atlantik- und den kleineren von Orb und Hérault auf der Mittelmeer-Seite. Dabei wird die Garonne, die ausserhalb des Zentralmassivs – nämlich in den Pyrenäen – entspringt, durch ihren rechten Nebenfluss Tarn beliefert; dieser stammt zwar aus dem Zentralmassiv, jedoch ebenfalls nicht aus dem Larzac, sondern aus den nördlich anschliessenden Cevennen. Das Wasser aus dem Larzac-Abschnitt erhält er durch seine linken Nebenflüsse Dourdou, Cernon und Dourbie zugeführt, wobei der aus dem etwas weiter südlich gelegenen Caroux-Espinouse-Massiv stammende Dourdou durch die «heimischen» Nuéjouls und Sorgues gespeist wird. Die Mittelmeer-Flüsse Orb und Hérault andererseits haben deutlich kürzere Wege und beanspruchen entsprechend weniger Zulieferer; für den «heimischen» Orb ist es hauptsächlich die Mare, für den aus den Cevennen kommenden Hérault sind es Lergue und Vis.
Der Larzac wird in Nord-Süd-Richtung durch eine Bahnlinie und die Autobahn A 75 durchschnitten, die Paris mit der westlichen französischen Mittelmeerküste verbindet. Millau im Norden und Lodève im Süden der EHWS sind die nächstgelegenen grösseren Orte. Ansonsten ist die spärlich besiedelte Gegend verkehrsmässig dürftig erschlossen und mit wenig touristischer Infrastruktur ausgestattet. Der gemeinhin als wasserscheidenah geltende Fernwanderweg GR 7 macht einen grossen, nach Süden ausholenden Bogen um den Larzac herum. Wer hier also der EHWS folgen will, muss sich an regionalen und lokalen Wanderwegen orientieren; teilweise benutzte ich auch gänzlich unmarkierte Strassen und Wege oder schlug mich querwaldein durch. Immerhin helfen streckenweise der Fernwanderweg GR 71 und dessen Varianten GR 71C und GR71.
Der ganze Abschnitt liegt in der Region Okzitanien und berührt die Departemente Hérault und Aveyron. Seine Durchwanderung habe ich im Juni 2023 im Rahmen von Südfrankreich-Ferien unternommen; Ruth hat mich von den Übernachtungsorten Ceilhes-et-Rocozels und Le Caylar aus mit Transportdiensten unterstützt, wodurch mir lange Ab- und Zugänge erspart blieben. So reichten mir drei Tage für die rund 75 km aus.
Unten siehst du, wie ich die Strecke in Etappen unterteilt habe.
| Etappe 8 (25. Juni 2023) |
Marcou - Col de Notre Dame |
23,4 km / 6h40' |
| Etappe 9 (26. Juni 2023) |
Col de Notre Dame - Canals |
26,1 km / 7h15' |
| Etappe 10 (27. Juni 2023) | Canals - Le Gressentis (Sauclières) | 25,5 km / 6h45' |
Vorige Teilstrecke:
Projektabschnitt:
Nächste Teilstrecke:
Wie es mir beim Wandern ergangen ist, kannst du in meinem Blog nachlesen. Unten gehts direkt zu den entsprechenden Tagesberichten.
EHWS Massif central, Etappe 8: Marcou - Col de Notre Dame
Von einer «GR71»-Angabe meines digitalen Wanderplaners liess ich mich verleiten, meine Route über die beim Marcou-Massiv nach Norden abwinkelnde Bergkette zu wählen. Das brockte mir einen überflüssigen Talab- und anschliessend einen struppigen Wiederaufstieg ein. Von einem Fernwanderweg so gut wie keine Spur: Wo es ihn allenfalls einmal gegeben hatte, war er durch Windpark-Erschliessungsstrassen verdrängt worden. Auch ohne ihn fand ich mich zurecht – und belohnende Fernsichten ebenso.
EHWS Massif central, Etappe 9: Col de Notre Dame - Canals
Der Tag begann in feucht-vernebelter Tristesse und widerborstigem Gelände. Es galt Hunden auszuweichen, Zäune und andere Hindernisse zu überwinden, Wege zu finden, wo keine waren, und auf gute Ausgänge zu hoffen. Aufmunternde Grüsse im Vorbeigehen konnte man gebrauchen. Der allmählich sonniger werdende Nachmittag und eine Genusswanderung über das steppenartige Kalkplateau von Guilhaumard mit herrlichen Weitsichten liess dies alles vergessen.
EHWS Massif central, Etappe 10: Canals - Sauclières (Le Gressentis)
Es strahlt die Sonne, es duftet das Heu, es leuchten die Blumen, es glänzen ganze Teppiche von Silbergras. Man ist bezaubert und geniesst die Schönheit dieser Natur. Doch hat sich diese herumgesprochen: Aus Cars, die bei einem berühmten mittelalterlichen Dorf parken, quellen nicht nur Besucherströme zu dessen Toren hin, sondern es ergiessen sich auch nicht enden wollende Wandererschlangen in die Landschaft. Ehe ichs versehe, trotte ich einer solchen hinterher und muss mich ihrem Schlendrian anpassen.